Vertragsnaturschutzmuster "Grünlandwirtschaft Moor"


Das Vertragsnaturschutzmuster „Grünlandwirtschaft Eider-Treene-Moor“ ist ein gesamtbetriebliches und dabei flexibles Programm, bei dem 90% des Niederungs-Dauergrünlandes eines Betriebes unter Vertrag genommen werden. Es ist für intensiv und extensiv wirtschaftende Betriebe praktikabel.

Der Landwirt hat die Wahl, den einzelnen Grünlandflächen unterschiedliche Auflagen-Kategorien zuzuteilen. Es kann aus den folgenden drei Kategorien gewählt werden, die je nach Umfang der Auflagen mit unterschiedlich hohen Ausgleichszahlungen verbunden sind (siehe unten):

-     Grüne Flächen: geringe Auflagen,

-     Gelbe Flächen: weitergehende Auflagen,

-     Rote Flächen: hohe Auflagen und Biotop gestaltende Maßnahmen zum

                                Wasseranstau auf der Fläche.

Auf allen Flächen erfolgt eine Abflachung der Grabenkanten und Gebüsche werden entfernt. Pflanzenschutzmittel sind nicht zulässig (Ampfer- und Distelbekämpfung in Absprache möglich).

Der Anteil der Kategorien Grün und Gelb ist frei wählbar. Der Kategorie Rot muss jedoch ein festgelegter Flächenanteil von mindestens 10% der Dauergrünlandfläche eines Betriebes zugeteilt werden.

Das Programm ist sowohl für intensiv wirtschaftende (die Flächen werden überwiegend in die Kategorie "grün" gegeben) als auch für extensiv wirtschaftende Betriebe (die Flächen werden überwiedend in die Kategorien "gelb" und "grün" gegeben) passend.

Das Programm ist seit 2015 anerkanntes Vertragsnaturschutzmuster. Es wurde von Kuno e.V. in Zusammenarbeit mit der Integrierten Station Eider-Treene-Sorge und Westküste und der Artenagentur entwickelt und ist an die speziellen Standort- und Betriebsverhältnisse der Eider-Treene-Sorge-Niederung angepasst.

 

Bei Interesse melden Sie sich bitte in unserer Geschäftsstelle (04885-585) und vereinbaren einen unverbindlichen Beratungstermin. Wir sind ihnen bei der Einteilung der Flächen und der Planung der Biotop gestaltenden Maßnahmen auf den Roten Flächen behilflich und unterstützen Sie bei der Antragstellung.


Hintergrund

Um in der Eider-Treene-Sorge-Niederung Wiesenvögel zu fördern, ist eine angepasste Bewirtschaftung des Grünlandes notwendig. Bei einer sehr exten- siven Bewirtschaftung können strukturierende Pflanzenarten wie die Flatterbinse schnell zu- nehmen und dann die Ansiedlung von Kiebitz und Uferschnepfe verhindern. Erfolgt die Grünland- bewirtschaftung zu intensiv, können die Flächen ebenfalls durch eine zu schnell und dicht aufwachsende Vegetation oder durch zu schnelles Abtrocknen an Attraktivität für Wiesenvögel verlieren. Hinzu kommt, dass es durch Frühjahrsarbeiten und  Mahd zu direkten Verlusten bei den Wiesenvogelbruten kommt.

 

Die Auflagen in den Kategorien Grün und Gelb dienen der Verbesserung der Habitatqualität, ohne stärkere Extensivierung. Die "grünen" Flächen sind dabei nach wie vor als intensive Mähweiden nutzbar, um energiereiches Futter für das MIlchvieh zu erhalten. Auf den "gelben" Flächen wird die Düngung auf organischen Dünger beschränkt, der Termin der ersten Mahd ist verzögert und auf den Weideflächen liegt eine Tierzahlbegrenzung vor. Dennoch können Verluste bei Wiesenvogelgelegen und -familien durch landwirtschaftliche Aktivitäten nicht verhindert werden. Aus diesem Grund kommt bei Besiedlung der "grünen" und "gelben" Fläche durch Wiesenvögel der „Gemeinschaftliche Wiesenvogelschutz“ zur Anwendung. Er wird als „top up“ honoriert.

Die Flächen der Kategorie Rot werden für Wiesenvögel die „hot spots“ in der Region darstellen. Hier wird durch Wasseranstau, und weitere extensive Bewirtschaftung ein möglichst optimaler Brutlebensraum für Wiesenvögel hergestellt. Verluste von Bruten durch landwirtschaftliche Aktivitäten sind auf diesen Flächen nicht zu erwarten. Eine Aufsattelung des „Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes“ ist daher nicht notwendig.

Es werden jeweils die Bewirtschaftungsformen Wiese und Weide unterschieden.


Die Auflagen

Kategorie Grün

Wiese/Mähweide:

Die Grabenkanten aller Gräben werden in den oberen ca. 30 - 60 cm  geschrägt. Durch diese Maßnahme wird verhindert, dass Küken im Graben ertrinken. Gebüsche sind abzusägen, um Sichthindernisse für Wiesenvögel und Ansitzwarten für Krähen- und Greifvögel (potenzielle Prädatoren) zu entfernen.  Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Ampfer- und Distelbekämpfung ist in Absprache möglich.

Honorierung: 40 €/ha, ggf. +  Honorierung des Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes

Weide:

Um dem Rückgang der Beweidung von Grünlandflächen entgegenzuwirken, wird die Wirtschaftsform Weide ohne Schnittnutzung gefördert. Es bestehen keine weiteren Bewirtschaftungsauflagen. Weiden sind als Rückzugsraum während der Mahd und als Kükenhabitat von besonderer Bedeutung. Auch auf Weiden werden die Grabenkanten aller Gräben in den oberen ca. 30 cm bis 60 cm geschrägt.  Durch diese Maßnahme wird verhindert, dass Küken im Graben ertrinken.  Gebüsche sind abzusägen, um Sichthindernisse für die Wiesenvögel und Ansitzwarten für Krähenvögel und Greifvögel zu entfernen.

Honorierung: 120 €/ha, ggf. +  Honorierung des Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes

 

Kategorie Gelb

Wiese/Mähweide:

Es gelten die gleichen Auflagen wie in der Kategorie Grün: Die Grabenkanten aller Gräben werden in den oberen ca. 30 cm bis 60 cm geschrägt. Gebüsche sind abzusägen, um Sichthindernisse für die Wiesenvögel und Ansitzwarten für Krähenvögel und Greifvögel zu entfernen.  Zusätzlich ist auf Grünland der Kategorie Gelb ausschließlich organische Düngung erlaubt. Dies unterstützt die Bodenorganismen und erhöht damit das Nahrungsangebot. Mineralischer Dünger ist verboten, um einerseits die Düngung zu reduzieren und andererseits Verätzungen durch den Einsatz dieses hochkonzentrierten Düngemittels zu verhindern. Die Mahd darf erst ab dem 21.06. erfolgen.

Honorierung: 290 €/ha, ggf. +  Honorierung des Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes

Weide:

Es gelten die gleichen Auflagen wie in der Kategorie Grün: Die  Gräben werden in den oberen ca. 30 cm bis 60 cm geschrägt. Gebüsche sind abzusägen. Es ist ausschließlich organische Düngung erlaubt. Die Viehdichte ist im Zeitraum vom 1.4. bis 15.7. auf vier Rinder/ha begrenzt, danach ist auch Schafhaltung erlaubt und es gibt keine Viehstückzahlbegrenzung mehr. Durch diese Maßnahme können Verluste durch Viehtritt reduziert, aber nicht ausgeschlossen werden. Die Qualität der Fläche als Kükenhabitat nimmt zu, wenn die Viehdichte nicht zu hoch ist. Um sicherzustellen, dass die Weide im nächsten Frühjahr kurzrasig ist, muss ein Pflegeschnitt oder eine Nachweide mit Schafen erfolgen.

Honorierung: 300 €/ha, ggf. +  Honorierung des Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes

 

Kategorie Rot

Die Kategorie Rot weist nicht nur die höchsten Auflagen auf, sie enthält zusätzlich auch Maßnahmen zum Wasserhalten bzw. Wasseranstau, um so für Wiesenvögel besonders attraktive Flächen zu entwickeln, auf denen sie ungestört brüten können. Eine zusätzliche Anwendung des „Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes“ entfällt durch die schon vorhandenen Sperrfristen. Nutzungsspezifisch sind folgende Auflagen einzuhalten:

Wiese (Mähweide:

Die Grabenkanten werden aus den schon oben genannten Gründen abgeschrägt werden. 10% der Fläche müssen im Frühjahr als freie Wasserfläche vorhanden sein. Wie dies erreicht wird, hängt von den flächenspezifischen Voraussetzungen ab. Durch diese Maßnahme erhöht sich die Attraktivität für Wiesenlimikolen im Frühjahr. Den Vögeln stehen stocherfähige Böden zur Verfügung und die Nahrungsverfügbarkeit erhöht sich. Durch das langsame Abtrocknen im Laufe der Brutzeit werden geeignete Bruthabitate zu einer Zeit frei, in der schon viele andere Flächen zu dicht und zu hoch aufgewachsen sind. Um Gelegeverluste zu vermeiden, darf die Bodenbearbeitung nicht vom 20. März bis zum 20. Juni erfolgen. Die Fläche darf ab dem 21. Juni gemäht werden. Dabei muss mindestens eine Pflegemahd mit Abtransport des Schnittgutes erfolgen, um die Attraktivität der Fläche für Wiesenvögel im nächsten Frühjahr zu erhalten.  Eine organische Düngung ist erlaubt, um so dem Auftreten von strukturierenden Pflanzen wie der Flatterbinse entgegenzuwirken. Die Düngung erfolgt nur außerhalb des Zeitraums 20. März bis 20. Juni. Die Sperrfrist besteht, um Verluste oder Störung bei diesem Arbeitsschritt zu verhindern.  Gebüsche sind abzusägen, um Sichthindernisse für die Wiesenvögel und Ansitzwarten für Krähenvögel und Greifvögel zu entfernen.

Honorierung: 500 €/ha

Weide:

Es gelten die Angaben der Kategorie Gelb und die Angaben der Kategorie Rot/Wiese: Die Grabenkanten werden aus den schon oben genannten Gründen abgeschrägt werden. 10% der Fläche ist im Frühjahr als freie Wasserfläche vorhanden. Wie dies erreicht wird, hängt von den Voraussetzungen der einzelnen Flächen ab. Durch diese Maßnahme erhöht sich die Attraktivität für Wiesenlimikolen im Frühjahr. Um Gelegeverluste zu vermeiden, darf die Bodenbearbeitung nicht vom 20. März bis zum 20. Juni erfolgen. Vom 1.4. bis 15.7. können vier Rinder/ha aufgetrieben werden, danach ist auch eine Schafhaltung möglich. Die Viehstückzahl ist ab diesem Datum unbegrenzt. Eine Pflegemahd oder Nachweide mit Schafen ist durchzuführen. Es darf nur organisch gedüngt werden und dies nur außerhalb des Zeitraums 20. März bis 20. Juni.  Gebüsche sind abzusägen, um Sichthindernisse für die Wiesenvögel und Ansitzwarten für Krähenvögel und Greifvögel zu entfernen.

Honorierung: 450 €/ha